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8. Januar 2018

„Theologie im Dreiländereck“

Treffen von Professoren aus Trier, Metz und Luxemburg

Regelmäßige Begegnungen zwischen den beiden Professorenkollegien an der Theologischen Fakultät Trier und am Centre autonome d’enseignement de pédagogie religieuse der Université de Lorraine in Metz (CAEPR) haben bereits eine lange Tradition. Am Samstag, dem 16. Dezember 2017 fand nun das traditionelle Treffen in einer erweiterten Konstellation statt, da mit dem Direktor der Luxemburg School of Religion & Society (LSRS), Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, erstmals auch ein Luxemburger Kollege an dem grenzübergreifenden Austausch teilgenommen hat. Gemeinsam mit ihm werden zukünftig auch Prof. Dr. Georg Rubel, Lehrstuhlinhaber für Biblische Theologie an der LSRS und Verantwortlicher für den Ausbau der Kooperation mit der Theologischen Fakultät Trier, sowie weitere Kollegen aus Luxemburg an einer Vernetzung der „Theologie im Dreiländereck“ mitwirken.

In Aussicht genommen wurde bei dem diesjährigen Treffen in Trier zudem, dass künftig die regelmäßigen Begegnungen nicht nur im engeren Kreis der drei Professorenkollegien stattfinden sollen, sondern in einem zweijährigen Turnus auch ein gemeinsamer Studientag zu Fragestellungen der Theologie inmitten der modernen europäischen Gesellschaft daran interessierte Personen einbeziehen und somit die Gelegenheit zum philosophischen und theologischen Gedankenaustausch in einem größeren Format bieten soll.

Der inhaltliche Akzent des wissenschaftlichen Austausches bei der Begegnung zwischen den Kollegen aus Metz, Luxemburg und Trier war in diesem Jahr des Reformationsgedenkens 2017 mit einer durchaus sensiblen Materie verbunden. Prof. Dr. Walter Euler, Inhaber des Lehrstuhls für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie in Trier, hielt in französischer Sprache einen Vortrag zum Thema: „Luthers Einstellung zum Judentum“. Diese Problematik hat sich zum Dauerbrenner der Forschung sowie zur Achillesferse der Feierlichkeiten rund um das 500jährige Reformationsjubiläum entwickelt. In der Diskussion ging und geht es dabei vor allem um die Frage, ob Luthers Feindschaft gegenüber den Juden rein theologisch motiviert war oder auch durch antisemitische Klischees bestimmt wird.

Die meisten Aspekte der theologischen Kritik Luthers an den Juden – von der Ablehnung des Mittlers Christus bis hin zu dem Vorwurf, sie seien für seinen Tod verantwortlich – stimmen mit der christlichen Tradition überein. Einen besonderen Akzent bekommt Luthers Einstellung zum Judentum allerdings dadurch, dass er die religiöse Praxis der Juden unter dem Begriff der Werkgerechtigkeit zusammenfasst. Durch dieses Verdikt, mit dem er in besonders scharfer Form auch den Katholizismus und schließlich sogar den Islam belegt, bewertet Luther alles religiöse Tun der Juden als grundsätzlich verkehrt.

In den wesentlichen Punkten seiner
theologischen Einschätzung des
Judentums bleibt Luther sich stets
treu, während er hingegen mit
Blick auf die Frage, wie die christliche Mehrheit mit der jüdischen
Minderheit verfahren solle, eine diametrale Wende vollzieht. In der
Schrift „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ aus dem Jahre 
1523 plädiert Luther dafür, die politische, ökonomische und gesellschaftliche Trennwand zwischen
Christen und Juden aufzuheben, um auf diese Weise die Konversionsbereitschaft der Juden zu fördern. In seinen späteren Schriften zum Judentum dominiert dagegen die Angst, die Juden könnten die durch die Reformation entstandene Verwirrung benützen, um ihrerseits Proselyten zu machen. Diese Vorstellung führt ihn zu den radikalen Empfehlungen der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543, welche fordern, die Rechte der Juden massiv zu beschränken – bis hin zu dem Gedanken, die Juden sollten aus Deutschland ausgewiesen werden, ähnlich wie sie zuvor schon aus Ländern wie Frankreich und Spanien vertrieben worden waren.

Die protestantische Forschung hat bis heute Mühe, die antijüdischen Exzesse Luthers zu erklären. Eine Tatsache allerdings bleibt, dass der Reformator in seinem fatalen Hang zur Dämonisierung ihm falsch erscheinender Anschauungen keineswegs nur die Juden, sondern in analoger Weise auch die Papstkirche und viele andere Gruppierungen getroffen hat. Menschen des 21. Jahrhunderts sollten Luther als Kind seiner Zeit sehen und ihn weder als Identifikations- noch als Hassfigur betrachten. Er stellt eine der prägenden Gestalten der europäischen Geschichte dar und ist es deshalb wert, dass man sich seiner erinnert.

Text: Johannes Brantl, Walter Euler; Fotos: Klaus Peter Dannecker

 
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