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Wo Himmel und Erde sich berühren . Ciel et terre se rencontrent
8. April 2019

Wo Himmel und Erde sich berühren

Ein Rückblick in Wort und Bild

Kirchen- und Sakralgebäude werden von vielen Menschen aufgesucht, auch außerhalb der Gottesdienste. Dieses neue, steigende Interesse wirft Fragen auf: Wie können Besucher/innen angemessen empfangen werden? Was bewegt Menschen an diesen Orten? Wie können die Sakralräume zugänglich gemacht werden, so dass ihre Sprache Besuchern verständlich wird?

Um diesen Fragen nachzugehen hatte die LSRS in Kooperation mit der Theologischen Fakultät Trier am Freitag, 29. März, einen internationalen Studientag organisiert. Dabei wurden kulturelle, pastorale und pädagogische Fragen thematisiert, bei denen die Akteure aus der Kirche sowie aus der Zivilgesellschaft ihre jeweilige Perspektive einbringen konnten. Dass das angebotene Programm auf gute Resonanz stieß, zeigte die Präsenz von mehr als 60 Teilnehmer/Innen aus dem In- und Ausland.

Am Beginn der Tagung stand eine Studie, die von den Professoren Dr. Martin Lörsch und Dr. Joachim Theis von der Theologischen Fakultät Trier vorgestellt wurde. Basis der Studie ist eine Besucherbefragung am Trierer Dom mit ca. 2000 ausgewerteten Fragebögen. Diese gaben ein sehr aufschlussreiches Bild darüber, aus welchen Motiven Menschen den Dom, der eine Million Besucher im Jahr zählt, aufsuchen. Danach stellten zwei Vertretern der in Belgien gegründeten Initiative „Églises ouvertes“ vor. Ziel dieses Netzwerks ist es, Kirchen zu verbindlichen Zeiten offen zu halten und dabei einen einladenden Empfang zu gewährleisten. Etwa 350 Kirchen in Belgien profitieren von den Angeboten dieses Netzwerks, das u.a. Logo, Graphik, Internet-Portal und Einführung in die Sehenswürdigkeiten des Raumes zur Verfügung stellt. Menschen vor Ort eignen sich ihr Erbgut (wieder) an, und sorgen dafür, dass die Kirche als Orte der Stille und der Begegnung in den Ortschaften erhalten bleiben. In Luxemburg haben sich bisher 14 Kirchen dem Netzwerk „Oppe Kierchen“ angeschlossen.

Anschließend gab Rabbiner Alexander Grodensky eine Einführung in das Thema „Die Architektur der Synagoge und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte- Wechselwirkungen zwischen Kirche und Synagoge“, und Holger Dörnemann, Vorsitzender des Bundesverbandes Kirchenpädagogik, ging der Frage nach, wie die Religion sich spezifische Räume mit korrespondierender Architektur schuf, sowie umgekehrt, wie der Raum das Erleben der Menschen prägt.

Im zweiten Teil des Tages hielt Dr. Dr. Jean Ehret, Direktor der LSRS, einen Vortrag über die „ästhetische Erfahrung von Räumen“, den er mit einem literarischen Text aus dem Tagebuch des Autors Julien Green auf sehr lebendige Weise veranschaulichte. Ein Diaporama von der Photographin Lucie Brousseau gab auf meditative Weise neue Einblicke in ein Kunstwerk, das in der Kirche von Simmern (L) zu finden ist, die Grablegung Jesu Christi.

Isabelle Morin Loutrel, Konservatorin im Musée d’Orsay in Paris, brachte die Perspektive der französischen Museumswelt ein. Ihr Vortrag trug den Titel: „Sakrales ausstellen. Die Herausforderung der Präsentation von religiösen Werken im Museum.“ Sie berichtete z.B. von der Ausstellung des Domschatzes der Kathedrale von Troies, die sowohl musealen wie auch pastoralen Kriterien genügen muss. Wie ein Echo zu diesem Vortrag wirkte der nächste Beitrag: „Der Dom ist kein Museum. Kulturelle Wechselwirkungen zwischen Kathedrale und Diözesanmuseum in Osnabrück“, der vom dortigen Direktor, Dr. Hermann Queckenstedt, vorgetragen wurde. Auch dieser Vortrag gab durch Bild und Wort vielfältige Anregungen, wie kulturelle Arbeit im Rahmen einer diözesanen Einrichtung Akzente in Verbindung mit dem Kirchenraum setzen kann.

Im letzten Teil der Tagung stellten Christiane Kremer-Hoffmann und Dr. Wolfgang Fleckenstein den Ansatz der Ausbildung für Kirchenführer/innen in Luxemburg vor. Die Ausbildung wird organisiert von der Luxembourg School of Religion & Society und ErwuesseBildung asbl; momentan läuft der dritte Ausbildungszyklus, der auf viel Interesse gestoßen ist, besonders bei Menschen, die schon Touristenführer/innen sind, und die lernen möchten, wie man Kirchenräume angemessen vorstellen kann.

Alles in allem hat der Studientag tiefgründige Reflexion und Inspiration durch „best-practices“ geboten. Eine große Ermunterung, Kirchenräume und sakrale Werke sprechen zu lassen und ihre Erschließung nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie nach pädagogischen Kriterien auf zentrale Ziele hin auszurichten. Kirchenräume als kulturelles und religiöses Erbe zu begreifen, bleibt eine zukunftsweisende Herausforderung.


Dieser Artikel wurde auch im Luxemburger Wort veröffentlicht (06.04.2019, S. 30).

Christiane KREMER-HOFFMANN christiane.kremer lsrs.lu
 
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