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7. März 2018

Islam ist Barmherzigkeit

Vortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Grundzüge einer modernen Religion in einem künftigen Europa

Der Vortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik, fand am 5. März 2018 um 20.00 Uhr im Centre Culturel de Rencontre „Neimënster“ statt (28, rue Münster, L-2160 Luxembourg).

Der Islam wird oft mit Gewalt und Terror assoziiert und als eine Religion wahrgenommen, die im Widerspruch zu Menschenrechten und demokratischen Grundwerten steht. Der Referent entwirft hingegen einen theologisch fundierten Zugang zum Islam als Religion der Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist nämlich die im Koran meistgenannte Eigenschaft Gottes.

Im Vortrag hat Mouhanad Khorchide gezeigt, wie der Islam zu einem Selbstverständnis kommen kann, das eine fundamentale Wende hin zu einer Theologie eines barmherzigen Gottes vollzieht, die sowohl Gott als auch dem Menschen gerecht werden will und wie so ein Islam nicht nur mit demokratischen Grundwerten vereinbar ist, sondern auch Europa bereichern kann. Auf die vielen Herausforderungen wie z. B. die Stellung der Frau im Islam ist Prof. Khorchide ebenfalls eingehen.

Univ.-Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, geb. 1971, studierte Islamische Theologie und Soziologie in Beirut und Wien. Er ist Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie Münster.

Org.: LSRS, EwB – mit der Unterstützung von „neimënster“
Vortrag auf deutsch, traduction simultanée en français assurée
Eintritt: 8 €; keine Anmeldung erforderlich

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide bei seinem Vortrag

Begrüßungsansprache von Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, Direktor der Luxembourg School of Religion & Society, beim Vortrag von Prof. Dr. Mohanad Khorchide am 5. März 2018 in Neimënster

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist eine Ehre, eine Freude und ein Ansporn für die Luxembourg School of Religion & Society in Zusammenarbeit mit der ErwuesseBildung a.s.b.l. und mit der Unterstützung des Centre Neimënster heute Abend Herrn Professor Dr. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster und Professor für islamische Religionspädagogik, hier willkommen zu heißen. Guten Abend, Herr Professor Khorchide. Herzlich willkommen!

Mein Name ist Jean Ehret, ich bin der Gründungsdirektor der LSRS und Professor für Theologie und Spiritualität.

Wir freuen uns, dass unsere Veranstaltung auf Ihr Interesse gestoßen ist, und begrüßen auch Sie, sehr geehrte Damen und Herren, von Herzen. Es ist uns eine besondere Freude den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Dr. Heinrich Kreft, den Sekretär der Schura, Herrn Eric Risch als Gäste zu begrüßen. Wir hoffen, dass Ihnen allen der Abend viele Anregungen zum Weiterdenken, Weiterlesen und Weiterdiskutieren gibt sowie Ihnen neue Perspektiven aufzeigen kann.

Das Thema des Abends braucht keiner besonderen Begründung; es reicht, Haltungen zu artikulieren, die weit verbreitet sind. Religionen werden in Westeuropa vielfach nicht nur als obsolet angesehen, sondern auch als Hindernis für Fortschritt und Quelle von Gewalt angeprangert. Der Islam steht oft im Zentrum der Anklage, nicht zuletzt wegen politischer Konflikte im Nahen Osten, die sich nicht von religiösen Motiven trennen lassen, oder auch wegen terroristischer Angriffe, oder aber weil Zuwanderer eigene kulturelle und religiöse Lebensweisen mitbringen, die fremd sind.

Die Luxembourg School of Religion & Society hat sich in der Vergangenheit bereits mit dem Thema Islam und Gewalt beschäftigt. Ich erinnere nur an die jeweiligen Vorträge der Professoren Dr. Udo Steinbach, Dr. Norbert Mezvinsky und Dr. Hajo Schmidt, die die Thematik aus der Sicht der Politologie und Friedensethik angingen.

So wichtig es ist, Religionen zu kontextualisieren, so unabdingbar ist es auch, sich ihrem eigenen Diskurs und insbesondere ihrem Diskurs über Gott und über die Beziehung, die Gott zum Menschen in seiner Selbstoffenbarung gestiftet hat, zuzuwenden. Es gilt also wenigstens zweierlei zu tun, nämlich erstens theologisch zu denken und zweitens zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu differenzieren. Jede Gleichschaltung unter einem Oberbegriff von „Religion“ oder „Gott“ ist letztlich wirklichkeitsfremd, verkürzend, falsch. Das ist unser Anliegen an der LSRS. Denn die LSRS versteht sich nicht als ein religionswissenschaftliches Institut, sondern als eine Hochschuleinrichtung, in der differenzierend theologisch gearbeitet wird. Hier begegnen Theologen einander und anderen Wissenschaftlern, um sich ihre Thesen besser zu verstehen, interdisziplinär zu befragen und hinterfragen, sowie nach Wegen zu suchen, zusammen zu leben. In diesen Kontext schreibt sich die Einladung von Professor Khorchide ein: Er lebt Theologie im interdisziplinären Diskurs, denn Professor Khorchide hat zunächst ein Studium in Islamischer Theologie an der Al-Ozaii-Imam-Fakultät für Islamische Studien im Libanon absolviert, ehe er in Soziologie an der Universität Wien promoviert wurde. Dazu war er Religionslehrer an öffentlichen Schulen, wodurch er den pädagogischen Zugang reflexiv und aus eigener Erfahrung mit einbringen kann.

Bekannt ist er durch seine Bücher, deren Leserschaft sich weit über den akademischen Kreis hinaus erstreckt. Ich nenne drei Titel:

  • 2013. Scharia - der missverstandene Gott: Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik.
  • 2014. Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion.
  • 2015. Gott glaubt an den Menschen – Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus.

Das Anliegen, das ihm am Herzen liegt, geht klar aus diesen Titeln hervor; man kann es in der Frage zusammenfassen, wie man heute zwei Dinge miteinander verbinden kann, die vielfach als widersprüchlich angesehen werden: einerseits sein Leben durch den Glauben an Gott in einer religiösen Gemeinschaft prägen zu lassen und andererseits und zugleich ganz ein Mensch seiner Zeit und Bürger einer heutigen Gesellschaft zu sein. Wie soll das gelingen, wenn doch so viele Stimmen sagen, es sei nicht möglich, weil Religionen eben nur Quelle von Hass oder Gewalt seien, weil sie sich doch dem Fortschritt verschließen? Es kann gut sein, dass ein falsches Religionsbild solche Einstellungen hervorruft; differenzierte theologische Argumentation kann dies widerlegen. Professor Khorchide zeigt aus dem Herzen dessen, was der Islam als Offenbarung Gottes versteht, welche Wege sich auftun können. Das wollen wir nun durch ihn entdecken. Herzlichen Dank, Herr Professor Khorchide, dass Sie unsere Einladung angenommen haben. Sie haben das Wort.

Jean Ehret

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide im Gespräch mit S.E. Dr. Heinrich Kreft, Botschafter der BRD in Luxemburg,
und Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, Direktor der LSRS
Einladung zum Vortrag von Mouhanad Khorchide DE
PDF 934.8 kB, 20. Dezember 2017
 
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