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29. September 2017

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. theol. habil. Georg Rubel

Abgrenzung oder Anpassung? Das Verhältnis der Christen zur Welt nach 1 Petr 2,11-17

Am 28. September 2017 fand an der Luxembourg School of Religion & Society (LSRS) die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Georg Rubel statt, der vor gut einem Jahr auf den Lehrstuhl für Biblische Theologie berufen wurde. Nach einer feierlichen Vesper in der Kapelle vom Centre Jean XXIII begrüßte der Direktor der LSRS, Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, die hochrangige und zahlreiche Schar der eingeladenen Gäste. So waren der Rektor der Theologischen Fakultät der Universität Trier, Prof. Dr. Johannes Brantl, Prof. P. Dr. Wolfgang Buchmüller OCist von der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz, der Generalvikar des Erzbistums Luxemburg, Leo Wagener, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg, Dr. Heinrich Kreft, und viele Kollegen, Freunde und Angehörige des jungen, aus Bayern stammenden Professors der Einladung zur Antrittsvorlesung gefolgt. Lediglich seinen Doktorvater und Mentor Prof. Dr. Lothar Wehr musste Georg Rubel aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen. Musikalisch umrahmt wurde der akademische Festakt von Dr. Joachim Eck (Tenor) und Daniel Lang (Klavier).

Foto (SCP) v.l.n.r.: Prof. P. Dr. Wolfgang Buchmüller OCist, Prof. Dr. Christian Doude van Troostwijk, Prof. Dr. Daniel Laliberté, Prof. Dr. Georg Rubel, Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, Botschafter Dr. Heinrich Kreft

Das Fremdsein der Christen in der Welt als Chance

In seiner Antrittsvorlesung sprach Georg Rubel über das Verhältnis der Christen zur Welt nach 1 Petr 2,11-17. Der unbekannte Autor des Ersten Petrusbriefes richtet sich an seine Adressaten als „erwählte Fremde in der Diaspora“. Obwohl die Adressaten des Ersten Petrusbriefes vorwiegend Heidenchristen waren, so sollte die Verwendung des Begriffs Diaspora sie an das Schicksal des jüdischen Gottesvolkes erinnern, das nun auch ihnen widerfährt. Mit der Kategorisierung der Christen als Fremde bietet der Verfasser des Ersten Petrusbriefes nicht nur eine soziologische Bestandsaufnahme, sondern auch und vor allem eine theologische Deutung ihrer Situation. Er stellt sie in eine „alttestamentlich-frühjüdische Tradition, welche die Distanz zu der Mitwelt als Folge der Erwählung durch Gott und der Zugehörigkeit zu dessen Volk verstand.“ Paradebeispiel für diese Vorstellung ist Abraham, der laut Gen 23,4 über sich selbst sagt: „Fremder und Beisasse bin ich unter euch.“ Die negative Kategorie des Fremdseins wird umgepolt und positiv konnotiert als Ausdruck der Erwählung durch Gott. Aus dem sozialen Außenseiterstatus wird somit ein prägendes Merkmal christlicher Identität. Gerade dann, wenn die Christen von der Welt abgegrenzt und als Fremde angesehen werden, kann diese Distanz zur nichtchristlichen Umwelt als Chance wahrgenommen werden, die eigene Identität zu stärken und aus dem Erwählungsbewusstsein heraus als Christen in der Welt zu leben. Für das Christentum heute in Europa, das sich bisweilen regional unterschiedlich ausgeprägten feindlichen Tendenzen gegenübersieht, mag dies ein positiver Impuls sein, so Georg Rubel.

Christen als Werbeträger für den christlichen Glauben in einer nichtchristlichen Umwelt

Die Erwählung durch Gott verpflichtet die Menschen zu einem entsprechenden Lebenswandel. Deshalb werden die Adressaten des Ersten Petrusbriefes dazu aufgefordert, sich der irdischen Begierden zu enthalten und ein gutes Leben zu führen, um einen positiven Einfluss auf die Umwelt auszuüben und so eventuelle Vorurteile abzubauen. Damit ist klar: Abgrenzung von der Welt bedeutet keineswegs einen Rückzug aus der Welt, im Gegenteil: Christen leben in der Welt und sollen durch ihr gutes Beispiel die ihnen feindlich gesinnten Menschen eines Besseren belehren und sie sogar bekehren. Anstatt Rückzug in eine Parallelgesellschaft sollen Christen zum Werbeträger für den Glauben in einer nichtchristlichen Umwelt werden. Dieses Prinzip galt nicht nur vor 2000 Jahren, es behält auch heute noch seine Gültigkeit. Angesichts der Lage des Christentums im Europa des 21. Jahrhunderts ist es heute vielleicht nötiger denn je, so Georg Rubel.

Kein Rückzug aus der Welt, aber auch keine Anpassung an die Welt

Diese von „realistischer Nüchternheit“ geprägte Theologie des Ersten Petrusbriefes hat sich trotz der späteren Verschärfung der Situation der Christen nicht nur im frühen Christentum durchgesetzt, es kann auch heute noch als Modell für das Verhältnis der Christen zur Welt herangezogen werden. Christen leben nicht abseits, sondern inmitten dieser Welt in Anerkennung der staatlichen Gewalt, in Respekt gegenüber allen Menschen, in Liebe zu den Mitchristen und in der gebotenen Gottesfurcht. Sie passen sich aber nicht dieser Welt an, sondern grenzen sich durch ihren Lebenswandel von der nichtchristlichen Umwelt ab und leben so als Fremde in der Welt mit der eschatologischen Perspektive, dass ihre eigentliche Heimat nicht hier auf Erden ist, sondern im Himmel bei Gott.

Vom Urchristentum bis in die Gegenwart

In seiner Antrittsvorlesung ist es Prof. Dr. Georg Rubel gelungen, einen großen Bogen vom Urchristentum in unsere Zeit zu schlagen. Mit seiner Exegese des Ersten Petrusbriefes konnte er seine Zuhörer faszinieren, ein neues Interesse an der Lektüre biblischer Texte wecken und dazu motivieren, über die Stellung der Christen in der Welt von heute nachzudenken und Impulse für eine christliche Lebensführung zu geben. Das Thema, „Abgrenzung oder Anpassung? Das Verhältnis der Christen zur Welt nach 1 Petr 2,11-17“ der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Georg Rubel war ebenso interessant wie aktuell, es passte zur interreligiösen und auf die Gesellschaft hin angelegten Ausrichtung der LSRS.

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